Rektorin Prof. Dr. Graf und Norbert Haug vor dem Forum
Prof. Dr. Graf und Norbert Haug im Gespräch
Prog. Dr. Graf überreicht Norbert Haug ein "Käthchen"

Begeisterung und Teamspirit - Students' Executive Talk mit Ex-Motorsportchef Norbert Haug

Begeisterung und Teamspirit - Students' Executive Talk mit Ex-Motorsportchef Norbert Haug

04. November 2016

Seine erste Karriere hat er als Journalist in der Motorsportbranche gemacht – um dann in der 90er Jahren den Quereinstieg als Sportchef bei Mercedes zu wagen. Das Ergebnis: Sechs Weltmeistertitel mit McLaren, 87 Formel 1-Siege und 32 Titel in der Deutschen Tourenwagen-Meisterschaft (DTM) – Norbert Haug hat den Motorsport über 20 Jahre geprägt wie kaum ein anderer.

Und so lautete seine erste Empfehlung an die Studierenden der DHBW Heilbronn denn auch, sich bei wichtigen beruflichen Entscheidungen immer zu fragen, wo das Herz schlage, wofür man Begeisterung und Empathie mitbringe. Nur auf diese Weise sei man in der Lage, auch weniger angenehme Seiten des Berufs zu ertragen, Fehler zu korrigieren und nach Niederlagen wieder neu anzufangen und sich zu motivieren. Im Gespräch mit DHBW Rektorin Prof. Dr. Nicole Graf zieht Haug Parallelen zwischen Motorsport und Wirtschaft und hat einige Ratschläge für den Nachwuchs im Gepäck – auch zum Thema Teamarbeit: Nur wenn jedes Teammitglied respektiert wird und Kommunikation auf Augenhöhe stattfindet, entsteht ein Wir-Gefühl, das große, komplexe und heterogene Teams zum Erfolg führt. Haugs eindrucksvolle Bilanz zeigt, dass diese klaren, nachvollziehbaren „Rezepte" funktionieren.

Auch zur Rolle und Bedeutung des Motorsports in der Automobilbranche hat er ganz eindeutige Vorstellungen: Mercedes habe in den 90er Jahren bereits vorausgedacht und den Sport zum Aufbau seines Markenimages genutzt. Kommunikation nach innen und nach außen, das sei seine Hauptaufgabe gewesen. Werksbesuche der Fahrer-Stars in den Produktionsabteilungen von Sindelfingen bis Bremen gehörten ebenso zum Konzept wie die Vermarktung der Konzernprodukte und das Gewinnen von Kunden. Wir-Gefühl und Leistungswillen auf der Seite der Belegschaft, Stolz auf die Marke auf der Kundenseite. In diesem Sinne sei Motorsport denn auch keinesfalls Raserei, sondern erfordere die präzise Beherrschung des Geräts – so Haugs Statement.

Befragt nach der Zukunft des Motorsports und dem Konzept der Formel E - einer Rennserie, die seit 2014 für Formelwagen mit Elektromotoren auf Stadtkursen ausgetragen wird -  gibt sich Haug diplomatisch. In seinen Augen ein gutes Konzept, das nah bei den Zuschauern sei und dem er Zukunftschancen einräumt. Dass es die Formal 1 ablösen werde, sieht er hingegen nicht. Das archaische Element des Motorsports mit viel Lärm und Gestank bei maximaler Beherrschung der Maschine werde weiterleben – da ist er sich sicher.