Professorin Kathrin Köster ermutigte die Teilnehmerinnen bei den Frauenwirtschaftstagen, ihre Einzigartigkeit zu entdecken und ernst zu nehmen. (Foto: Gast-Prior)

Frauenwirtschaftstage: Aufbruch wörtlich nehmen - einfach losgehen

Frauenwirtschaftstage: Aufbruch wörtlich nehmen - einfach losgehen

20. Oktober 2015

Frauenwirtschaftstage in Heilbronn ohne Nachwirkungen - das funktioniert nicht: Aus fünf Workshops zum Thema „Das Ziel vor Augen - überzeugend unterwegs“ nahmen die Teilnehmerinnen am Samstag nicht nur Informationen, sondern vor allem Denk- und Handlungsansätze mit, wie sie ihre berufliche und persönliche Entwicklung in die Hand nehmen können.

Viele Teilnehmerinnen fühlten sich bestätigt, dass Neuorientierung im Unternehmen, nach oder während der Familienphase, nach dem Studienabbruch oder in der ehrenamtlichen Tätigkeit nur gelingen kann, wenn die eigene Persönlichkeit wirken darf. In diesem Sinne rief Professorin Ruth Fleuchaus zur Premiere des Seminartags auf dem Bildungscampus die Frauen dazu auf, die Impulse des Frauenwirtschaftstags mitzunehmen „in ihre Unternehmen, ihre Familien und in ihren Herzen.“ Ihr gefiel die offene, anregende Atmosphäre während der Veranstaltung - und die Möglichkeit, dass auch Frauen aus den Hochschulen sich mit Themen beschäftigen, die in ihrem Alltag oft untergehen.

Wachsendes Interesse an dem Heilbronner Konzept, das seit Jahren Workshop-Angebote bündelt, hatte den Ausschlag gegeben, heuer vom Haus der Familie in die Gebäude der Hochschule auf dem Campus am Europaplatz umzuziehen. Dass sich damit auch die Kooperationspartnerschaft auf die Hochschule Heilbronn (HHN) und die Duale Hochschule Baden-Württemberg Heilbronn (DHBW) ausgeweitet hat, sieht Heilbronns Frauenbeauftragte Silvia Payer als Gewinn: „Wir konnten hier unser Angebot von bisher drei auf fünf Workshops erweitern, es gibt Platz für die gemeinsame Mittagspause, bei der uns der türkische Frauenverein bestens verköstigt, und es gibt Raum für die wichtige Vernetzung und den Austausch der Teilnehmerinnen untereinander.“ Auch Prof. Dr. Yvonne Zajontz, Professorin und Gleichstellungsbeauftragte an der DHBW Heilbronn, freut sich über das große Interesse an der Veranstaltung: „Wir sind dieses Jahr zum ersten Mal als Kooperationspartner mit dabei und sind begeistert von der positiven Resonanz. Die DHBW Heilbronn will diese wichtige Veranstaltungsreihe auch in Zukunft weiterhin fördern.“

Schon im elften Jahr verfolgen die vom Land Baden-Württemberg unterstützten Frauenwirtschaftstage das Ziel, Frauen gleichberechtigt am Erwerbsleben zu beteiligen. Den weiterhin bestehenden Bedarf, an diesen Zielen zu arbeiten, belegte Kathrin Köster, Professorin für Unternehmensführung und Organisation an der HHN, im Impulsvortrag zu Beginn der Veranstaltung: 53,1 Prozent weibliche Führungskräfte in Kolumbien, 63,8 Prozent Frauen im Parlament in Ruanda, 71,8 Prozent Frauenerwerbsquote in Schweden. Wo die Potenziale von Frauen liegen, auch in Deutschland führende Rollen zu spielen, zeigte Köster anhand von Gründerinnen-Biografien. Mitgefühl und Flexibilität, Leidenschaft, Mut und Neugier machte sie als Motivationsquellen für Erfolg aus. Eines der größten Hemmnisse, den eigenen Weg zu finden und zu gehen, sieht Köster in der typisch deutschen Angst: „Wir sorgen uns vorsorglich, was alles schief gehen kann.“ Die Schranken im Kopf fielen dagegen, wenn man gesellschaftlichen Glaubenssätzen wie diesem keine Macht gebe. Dann rät Köster: „Gehen Sie einfach los, schaffen Sie sich selbst Ihre Wirklichkeit.“

Unter diesem Vorzeichen hat die Gemeinschaftsveranstaltung der Arbeitsagentur, der Stadt Heilbronn, des Netzwerks für berufliche Fortbildung, des Hauses der Familie und der Hochschulen die Themen Bewusstseinswandel sowie Zielfindung und -durchsetzung von vielen Enden her aufgeknüpft. Wann hat man schon Gelegenheit, mit Theaterpädagogin Katrin Singer spielerisch „Macht und Dominanz in der Kommunikation“ unter die Lupe zu nehmen? Eine Teilnehmerin holte sich hier das Handwerkszeug, um in ihrem Dienstleistungsberuf besser mit Kundschaft umzugehen: „Körpersprache ist mir dabei nützlich, mich nicht selbst klein zu machen“, sagt sie. Dasselbe Ziel verfolgte eine junge Doktorandin, die nach vier Auslandsjahren Probleme hat, sich wieder im deutschen Arbeitsalltag zurecht zu finden. Und eine junge Mutter in der Runde genoss es, im Workshop etwas für sich zu tun. Mit dem Anspruch, sich in der Arbeitswelt besser zu positionieren, traten Frauen an, die mit Stimmtrainer Florian Ahlborn nach der „Elevator Pitch“-Methode übten, in kürzester Zeit zu sagen, was sie können. Inspirieren ließen sich die Frauen vom Debattier-Einmaleins bei Rhetorik-Meister Bernd Rex ebenso wie die Frauen, die im Collagen-Workshop bei Philosophin Marga Biebeler ihre „Ressourcen-Landkarte“ zur beruflichen Standortfindung gestalteten.