Forscherin und Psychologin Tanja Hentschel über den Einfluss von Rollenbildern in der Personalauswahl und Karriereplanung
Zukünftige Führungskräfte beim Coaching - Karrieretipps und neue Studien zum Thema Frauen im Management.
GenSity-Initiatorin Prof. Dr. Yvonne Zajontz begrüßt die Studentinnen und Tanja Hentschel zum dritten Vortrag in der GenSity-Reihe

Rollenklischees und Karriere - GenSity an der DHBW Heilbronn

Rollenklischees und Karriere - GenSity an der DHBW Heilbronn

19. Januar 2017

Ehrgeizige Frauen wandeln auf einem schmalen Grat: Sind sie zu zielstrebig und erfolgsorientiert, werden sie als dominant und kalt wahrgenommen. Entsprechen sie dem Bild der warmen und sympathischen Weiblichkeit, spricht man ihnen Kompetenz und Durchsetzungsvermögen ab. Was kann eine Frau also machen, die nach oben will? Tanja Hentschel, Diplom-Psychologin und Gender-Forscherin an der TU München, empfiehlt in ihrem Vortrag in der GenSity-Reihe, professionell aufzutreten, seine Ziele klar zu verfolgen – aber alles mit einem Lächeln.

Sie selbst ist ein gutes Beispiel für den weiblichen Erfolg in einer Männerdomäne: Nach ihrem Studium der Psychologie in Dresden ging sie ein Jahr nach New York, um in der Arbeitsgruppe von Prof. Madeline Heilman zu forschen. Seit sechs Jahren gibt sie Seminare zum Thema Personalauswahl, Führung, Gender und Diversity.

Es ist erschreckend, wie tief Rollenklischees in unserem Unterbewusstsein verhaftet sind. Ein einfacher Test zu Beginn des Vortrags zeigt: Die meisten Teilnehmerinnen erinnerten sich an Männer mit Fußball und Frauen mit Baby. Aktuelle Studien zeigen z.B. dass in Unternehmen im Schnitt 46 Prozent Frauen beschäftigt sind, aber nur 29 auf der mittleren Führungsebene und 8 Prozent im Top-Level-Management. Bei den Abschlüssen an den Hochschulen und Universitäten schneiden Männer und Frauen noch gleich ab, aber in den Folgejahren starten Männer ihre Karriere durch. Woran das liegt? Mit Sicherheit an der Kinderbetreuung, dem Rückhalt in der Familie oder fehlenden Mentorinnen oder Netzwerken. Aber Frauen stehen sich oft selbst im Weg: Studien weisen nach, dass selbst kompetente Frauen ihre Leistung oft unterschätzen. Sie fragen seltener nach Beförderungen oder Gehaltserhöhungen. Da sie oft vermeiden, die Werbetrommel zu rühren, ist ihre Leistung auch nicht sichtbar.

Frauen können also mehr für sich und ihre Karriere tun. Das fängt schon bei der Bewerbung an: Hentschel rät, sich auch auf Stellen zu bewerben, die keine 100- oder auch 80-prozentige Passung aufweisen. Und dann hilft nur eins: Dranbleiben. Ausdauer ist wichtig auf dem Weg nach oben. Aber Frauen brauchen keine Angst zu haben zu versagen: Weibliche Führungskräfte schneiden im Vergleich zu ihren männlichen Pendants sogar ein wenig besser ab.