Ausgangssperren, Vier-Gänge-Menüs und Online-Vorlesungen - Auslandsstudium in Zeiten von Corona

Ausgangssperren, Vier-Gänge-Menüs und Online-Vorlesungen - Auslandsstudium in Zeiten von Corona

15. Mai 2020

Ob Franziska Albert in Belgrad oder Leonie Heller in Seoul – für die Studierenden der DHBW Heilbronn, die sich gerade im Auslandssemester befinden, läuft auch hier der Alltag anders als erwartet. Fünf junge Frauen erzählen von ihrer Bewährungsprobe viele Flugstunden von daheim entfernt und berichten, warum sie trotz allem ihre Zeit im Ausland genießen.

Serbien gilt als eins der Länder mit den schärfsten Maßnahmen gegen die Verbreitung des Corona-Virus. Während der Präsident am 4. März 2020 noch über das Virus witzelte, verhängte er bereits wenige Tage später harte Restriktionen: Von 17-5 Uhr herrschte unter der Woche Ausgangssperre, am Wochenende rund um die Uhr. Öffentliche Verkehrsmittel waren nur noch für Arbeiter zugänglich, Personen über 65 Jahre durften das Haus nicht mehr verlassen.Unsere Studentin Franziska Albert hat sich den Maßnahmen flexibel angepasst. „Durch die Ausgangssperre hatte ich Zeit, mich auf meine Aufgaben für die Universität zu konzentrieren.“ Franziska Albert belegt vier Kurse im Onlinestudium; neben den Vorlesungen verfasst sie Essays und Case-Studies, die dann benotet wurden.

Belgrad, eine 1,3 Millionen-City, ist abends wie ausgestorben. „Ich genieße es, die Großstadt so menschenleer zu erleben“, sagt Franziska, „das ergibt einen ganz anderen Blick auf die Dinge.“ Obwohl sich viele Reisepläne nicht durchführen ließen, hat sie mit ihren neuen Freunden Ausflüge auf einem Hausboot oder in die nahen Nationalparks unternommen. Von der ERASMUS Organisation und ihren Dozenten fühlt sie sich gut unterstützt; per Whatsapp oder Telefon steht sie im ständigen Austausch. Ihr Fazit: „Für mich persönlich ist Corona eine gute Möglichkeit um zu schauen, wie ich mich in einem anderen Land auch unter schwierigen Bedingungen zurecht finde, da ich mir auch vorstellen könnte, später einmal im Ausland zu arbeiten.“

Ungefähr 1.200 Kilometer nordöstlich verbringt Dana Hammerich, eine Food-Management-Studentin, ihr Auslandssemester in Vilnius (Litauen). Litauen hatte – anders als Deutschland - sämtliche Universitäten, Schulen und Shops geschlossen. Mundschutzpflicht wurde ebenfalls schon früh eingeführt. „Meine Reisepläne konnte ich natürlich vergessen“, so Dana Hammerich. Aber dafür hatte sie das Gefühl, dass die neuen Freundschaften, die man in einer solchen Ausnahmesituation schließt, belastbarer und tiefer seien als sonst. Wie verbringt sie ihre Zeit neben den Online-Vorlesungen? „Als waschechter Foodie koche ich in Quarantäne natürlich viel“, lacht Hammerich. Ihre Mitbewohner und Freunde freuen sich über ihre kulinarischen Fähigkeiten und profitieren von den Vier-Gänge-Menüs, die schon mal aufgetischt werden.

Shops und Bars geöffnet, aber Maskenpflicht
Auch auf der anderen Seite der Erde, in Südkorea, arrangieren sich Leonie Heller, Viktoria Schuster und Egle Sviderskyte mit der neuen Situation. Auf der Haben Seite steht auf jeden Fall die neu gewonnene Unabhängigkeit dank der Online-Vorlesungen: „Ich genieße die viele freie Zeit, die ich für Reisen durch das Land nutze. Ich bin mir nicht sicher, ob ich im normalen Vorlesungsbetrieb eine Chance dazu gehabt hätte.“ Natürlich sieht das Semester jetzt etwas anders aus geplant: Die Vorlesungen laufen online ab, das klassische Campusleben fehlt. Trotzdem konnte die drei Studentinnen in ihrer Freizeit etwas mit ihren Partnerinnen aus dem Buddy-Programm unternehmen. Auch Südkorea geht anders mit dem Virus um: Seit Februar ist das Tragen von Masken Standard, auch aus Rücksicht gegenüber den anderen Bürgern. Museen und Theater wurden geschlossen, Bars und Restaurants allerdings blieben weiter geöffnet. Das führte jetzt zur zweiten Welle, einem erneuten Ausbruch des Virus im beliebten Ausgehviertel in Seoul. 

Alle Studentinnen fühlten sich in ihrem Umfeld sehr sicher, teilweise sicherer als in Deutschland und denken sogar daran, ihr Auslandssemester zu verlängern. Franziska Albert plant, einige Wochen an ihren Aufenthalt anzuhängen, da Heilbronn im nächsten Semester die Vorlesungen online anbietet. Belgrad beschloss gerade erste Lockerungen, so hat sie eine Chance, das Land auch noch einmal von einer anderen Seite kennenzulernen.